Craft Beer



„Schmeckt doch eh alles gleich!“
Solche oder ähnliche Ausrufe hat wohl jeder schonmal in Bezug auf Bier in seinem persönlichen Umfeld gehört. Gerne wird dies auch von überzeugten Käufern von sogenanntem „Billig-Bier“ aus diversen Discountern proklamiert.
Doch schmeckt der Kasten Markenbier für zehn Euro tatsächlich besser als ein No-Name-Produkt, bei welchem der Kasten nur die Hälfte kostet? Die einfache Antwort: Nicht wirklich.



Das ist ein generelles Problem unserer deutschen Brauereilandschaft. Nur wenige große Konzerne, welche sich beinahe mit einer Hand abzählen lassen, kontrollieren den Markt und liefern sich einen knallharten Preiskampf.
Bier ist nirgendwo so günstig wie in Deutschland. Der günstige Preis wird durch geschmackliche Uniformität und durch einen geringe Einsatz von Grundzutaten wie Hopfen erreicht. Auf der Strecke bleiben dabei die kleinen regionalen Brauereien und mit diesen auch der gute Geschmack unseres Bieres.

In internationalen Brauwettbewerben zählt deutsches Bier schon lange nicht mehr zur Weltspitze.
Auf den ersten Rängen liegen dabei Nationen wie Australien oder die USA. Deutsche Biertrinker werden sich an dieser Stelle verwundert die Augen reiben. Die USA, welche bei den meisten Deutschen als als die letzte Bierwallachei gilt, haben uns in Sachen Bier schon längst abgehängt.

Doch wie ist das möglich? Die Antwort lautet: „Craft Beer“. Übersetzt bedeutet dies soviel wie „handwerklich und traditionell gebrautes Bier“.
Die „Craft Beer“-Bewegung spielt sich dabei vornehmlich in kleineren Brauereien oder in Umfeld von Privatbrauern ab.
Das häusliche Brauen zum Eigenzweck hat eine tief verwurzelte Tradition im angelsächsischen Raum. Die Brauer der „Craft Beer“-Szene pfeifen auf ökonomische Gewinnspannen und fühlen sich ausschließlich dem bestmöglichen Geschmack ihres Bieres verpflichtet.

Alte Brautechniken wie die Kalthopfengabe oder auch „Hopfenstopfen“ genannt, werden dabei gezielt eingesetzt. In industriellen Bieren wird der Hopfen mit der Maische eingekocht. Dabei gehen die feinen Aromen des Hopfens mehrheitlich verloren und nur die Bitteraromen gehen in das Bier über. Bei der Kalthopfengabe wird der Hopfen in einem kleinen Säckchen nach dem Maischen ins Bier gegeben. Dabei bleiben die feinen Aromen erhalten.

Der Hopfen spielt beim „Craft Beer“ eine zentrale Rolle. Viele Biere werden nicht nur mit einer Hopfensorte gebraut sondern gleich mit mehreren. Teilweise bis zu fünf verschiedene Hopfensorten lassen sich in einigen „Craft Bieren“ finden.
So ist es möglich verschiedene Aromen zu erzeugen. Ein Bier, welches geschmacklich sehr stark an ein Radler erinnert und dabei gänzlich ohne Zitronenlimonade auskommt, ist durchaus im Bereich des Machbaren. Der Weltmeister im Brauen von Pils ist im Übrigen ein Kalifornier, der in Deutschland seine Ausbildung zum Braumeister absolviert hat.

Im Gegensatz zu unseren Brauereibetrieben hat sich dieser Kalifornier und die „Craft Beer“-Szene aber auf die alten Traditionen des Brauens zurückbesonnen. Dies sollten wir uns zu Herzen nehmen, um den geschmacklichen Abstieg unseres Bieres wirkungsvoll entgegenzuwirken.